Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Fingernägel sollen verraten, was man isst, was man trinkt und wie gesund man eigentlich lebt. Anhand von Fingernägeln will ein Forscherteam aus Fulda mehr über die Lebensgewohnheiten von Menschen herausfinden. Und die Ergebnisse einer ersten Studie sind vielversprechend.

Fingernägel schneiden für die Wissenschaft – das ist das Motto an der Hochschule Fulda. Die Probanden möchten von ihren Fingernägeln wissen: Ernähre ich mich gesund? Wie sieht es aus mit den wichtigen Nährstoffen?
Fragen, die auch Professor Marc Birringer und seinem Team unter den Nägeln brennen.
Professor Marc Birringer, Hochschule Fulda
„Gibt es einen Mangel in dem Spurenelement Selen? Oder wie sieht es mit dem Eisen aus? Oder mit dem Kalzium? Daher denken wir, dass wir hier eine gute Methode haben, um schnell, kostengünstig und nichtinvasiv Proben zu messen und erste Anhaltspunkte für eine nichtausgewogene Ernährung zu liefern.“
Und das geht so: Zunächst werden die Proben mit einer Säure vermischt und kommen dann in diese überdimensionale Mikrowelle. Die ist so kraftvoll, dass sie sogar Steine verflüssigen kann und so sehen die Fingernägel in kürzester Zeit auch aus. Zuletzt werden sie in einem Massenspektrometer bei 6000 Grad in ihre kleinsten Bestandteile aufgelöst. Auf einem Bildschirm können die Forscher dann die Konzentration von 17 Elementen wie Zink oder Kalzium ablesen, die der Proband in den letzten Wochen zu sich genommen hat. Aber: warum eigentlich das Ganze?
Professor Marc Birringer, Hochschule Fulda
„Viele Menschen glauben, dass sie sich schlecht ernähren, ohne es wirklich zu wissen und greifen dann zu Nahrungsergänzungsmitteln. Genau das wollen wir verhindern. Wir wollen schauen: ist das wirklich nötig? Muss ich jetzt irgendein Kalzium-Magnesium Präparat nehmen? Oder sagen meine Fingernägel: nein, du bist gut und ausreichend damit versorgt. Du musst da nicht zugreifen.“
Noch ist das Verfahren aufwändig, doch in der Zukunft soll schon ein Foto der Hand für die Diagnostik ausreichen. Mit den Erkenntnissen, die Birringer und sein Team bislang sammeln konnten, haben sie zum Beispiel feststellen können, dass Längsrillen auf dem Nagel ein Symptom für einen Mangel an Kalium und Natrium sind.
Professor Marc Birringer, Hochschule Fulda
„Das heißt, der Kunde geht in eine Apotheke oder in eine Drogerie, legt seine Hand in diesen Scanner und nach kurzer Zeit, nach ein, zwei Minuten bekommt er ein Ergebnis, das dann heißt: Bitte gehen Sie zu ihrem Arzt und fragen ihn, ob er ihnen eine Untersuchung zum Kalzium rät oder nicht.“
Bis es aber irgendwann soweit ist, muss in Fulda noch fleißig geforscht – und Nägel geschnitten – werden.