In Wiesbaden soll ein 26-Jähriger seine drei Mitbewohnerinnen und ihre Freundinnen heimlich beim Duschen gefilmt haben. Die versteckte Kamera im Bad soll vor zweieinhalb Jahren aufgeflogen sein. Jetzt steht der 26-jährige Mann heute vor dem Amtsgericht Wiesbaden.
Alle fünf betroffenen Frauen erscheinen heute als Nebenklägerinnen gemeinsam zum Gerichtsprozess. Sie sollen vom 26-jährigen Angeklagten heimlich beim Duschen gefilmt worden sein. Die versteckte Kamera des ehemaligen Mitbewohners sollen sie vor rund zweieinhalb Jahren entdeckt haben.
Vanessa, 23 Jahre alt
„Am Anfang war es einfach nur ein Schockmoment, wir waren alle sehr machtlos. Das ist wirklich eine Sache, wogegen man sich überhaupt nicht wehren konnte. Wir hatten gar nicht die Möglichkeit uns zu wehren.“
Natthali, 21 Jahre alt
„Es war kein schönes Gefühl es dann herauszufinden, dass man im Bad halt einfach gefilmt wird. Ohne, dass man es weiß.“
Der Vorwurf in der Anklage: Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und der Persönlichkeitsrechte.
Der jetzt 26-jährige Maximilian S. erzählt heute selbst: Bevor die Frauen duschen wollten, habe er unter dem Vorwand, den Boiler einstellen zu müssen die Kamera im Bad eingerichtet, versteckt in einem Radiowecker. So soll er insgesamt fünf Frauen in sieben Fällen heimlich aufgenommen haben. Die Videos, auf denen die Frauen nackt zu sehen sein sollen, habe er auf dem Handy gespeichert.
Natthali, 21 Jahre alt
„Ich hoffe einfach die ganze Zeit nur, dass da nichts hochgeladen wurde. Klar geht das die ganze Zeit im Kopf rum: Okay, wo könnten die Aufnahmen gelandet sein? Stimmt das jetzt, dass sie nicht hochgeladen worden oder nicht. (…) Dieser Gedanke lässt einen unruhig werden.“
Maximilian S. gesteht heute die sieben Taten. Und erzählt vor Gericht, dass er zusätzlich eine zweite Kamera benutzt haben will. Eine Information, von der bis heute zweieinhalb Jahre lang niemand etwas wusste. Laut seinem Verteidiger leidet der Angeklagte unter einem Kontrollzwang und sei in Therapie.
Hakan Day, Verteidiger
„Es gibt manche Straftaten, wo Menschen ihre eigene Straftat, um die Schuldgefühle zu überspielen, relativieren und sagen: Na ja eigentlich gibt es hier ja gar kein Opfer, die kriegen ja nichts mit davon. Und ich denke, dass das hier wahrscheinlich eine Rolle gespielt hat. Und was er tatsächlich angerichtet hat und wie sehr er diesen Damen geschadet hat, das hat er erst im Nachgang – auch im Rahmen der Therapie – gelernt. (…) Er sagte auf dem Weg hier her: Die Strafe selbst sei ihm eigentlich egal. Er sagte er wünschte er könne es wiedergutmachen, was er angerichtet hat.“
Eine 23-Jährige, die als Zeugin heute aussagt, lehnt eine Entschuldigung des Angeklagten ab. Sein Verhalten sei maximal ekelhaft, sagt sie. Die betroffenen Frauen sprechen sich heute Mut zu.
Natthali, 21 Jahre alt
„Uns war es sehr wichtig damit an die Öffentlichkeit zu gehen und das nicht nur für uns zu behalten und auch draußen vielleicht anderen Frauen mitzuteilen, dass man den Mund lieber aufmachen sollte, anstatt alles dann jahrelang mit sich rumzutragen und dass man dafür einstehen soll, was einem passiert ist.“
Vanessa, 23 Jahre alt
„Wir wollen anderen Frauen Mut machen. Auch anderen, die betroffen sind, wollen wir Mut machen, dass sie auch an die Öffentlichkeit gehen. (…) Wir sollten uns nicht schämen. Der Täter sollte sich schämen und wie kann man das erreichen? Mit der Öffentlichkeit.“
Im Falle einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Zusätzlich klagen die betroffenen Frauen nach Schmerzensgeld.
Und vor wenigen Minuten ist das Urteil gefallen: Der 26-Jährige Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von knapp 20 Tausend Euro verurteilt.







