10 Billionen Euro – so viel Geld haben die privaten Haushalte auf der hohen Kante. Diese Zahl erfasst die Bundeszentralbank in Frankfurt. Und darüber hinaus hat sie noch weitere Aufgaben, ist zum Beispiel für die Aufsicht der Geschäftsbanken oder den elektronischen Zahlungsverkehr zuständig. Ausgebildet werden die künftigen Bundesbänker seit 1980 dort, wo einst die Grafen von Sayn herrschten: auf Schloss Hachenburg im Westerwald. Wir haben einen exklusiven Blick hinter die Kulissen werfen dürfen.
Vorlesung an der Hochschule der Deutschen Bundesbank. Heute geht es darum, wie sich die Bonität eines Kreditnehmers berechnen lässt – und damit das Risiko eines künftigen Zahlungsausfalls. Die Modelle zu verstehen ist entscheidend für die angehenden Bundesbanker, die dann unter anderem Geschäftsbanken beaufsichtigen. Unter ihnen ist die 19-jährige Hadise Rahimi aus Bayern.
Hadise Rahimi, Studentin Hochschule der Deutschen Bundesbank
"Man kann ja nirgendwo anders in Deutschland Zentralbankwesen studieren. Und das ist halt das, was mich angelockt hat. Auch wenn ich nicht hundertprozentig wusste, was auf mich zukommt. Und ich bin ja noch hier, deswegen: Es macht Spaß und es ist auch wirklich interessant. Und es hat einen großen Realitätsbezug."
Wer das Bachelor-Studium erfolgreich abschließt, landet in der Regel hier: Bei der Deutschen Bundesbank mit Hauptsitz in Frankfurt, als Beamter im gehobenen Bankdienst. Die Grundlagen von Bankwesen, Finanzsystemen und Geldpolitik werden im Westerwald gelegt. Um in der Berufspraxis zu bestehen, kommt es vor allem auf eines an: Abstraktionsvermögen.
Annabelle Kehl-Beckmann, Professorin Hochschule der Deutschen Bundesbank
"Das ist letzten Endes auch vielleicht sogar wichtiger als ein konkretes Modell zu kennen. Denn diese Modelle, die auch übrigens dem Bereich KI zuzuordnen sind, die wachsen so schnell, die verändern sich so schnell. Wichtig ist da, glaube ich, die Fähigkeit, sich in komplexe Sachverhalte einarbeiten zu können."
Das wird hier an der Hochschule geübt, drei Jahre lang. Kleine Gruppen von maximal 40 Studierenden ermöglichen engen Austausch und Netzwerkbildung. Wechselnde Theorie- und Praxisphasen sollen auf den direkten Berufseinstieg vorbereiten.
Andreas Kremer, Stv. Rektor Hochschule der Bundesbank
"Da ist der duale Ansatz einfach unheimlich wichtig, weil die Leute unmittelbar, wenn sie bei uns die Theorie gelernt haben, in eine passende Einheit in der Bundesbank kommen, um das dort praktisch anzuwenden. Und das ist für uns nicht nur wichtig national, sondern wir kümmern uns auch um eine Auslandsphase."
Eine weitere Besonderheit: Studieren und Wohnen lässt es sich hier unter einem Dach – und zwar dem von Schloss Hachenburg, abgeschieden mitten im Westerwald. Wohl auch deshalb gibt es hier ein starkes Gemeinschaftsgefühl, an dem Student Eik Sandau Gefallen gefunden hat:
Eik Sandau, Student Hochschule der Bundesbank
"Wir wohnen alle nebeneinander. Man kann immer beim Nachbarn anklopfen, wenn mal was ist. Kann zusammen lernen, zusammen auch natürlich außerhalb des Lernens was zusammen machen."
Ob Billard, Kegeln oder Singen im Chor – hauseigene Freizeitangebote sorgen für Abwechslung und Ausgleich zum anspruchsvollen Studium. Für Hadise Rahimi ist es noch ein längerer Weg bis zum Ziel. Eik Sandau hofft, bald an der Bundesbank weiter forschen zu können – zu Fragen der Geldpolitik.







