Es sollte ein Leuchtturmprojekt der europäischen Elektromobilität werden - doch jetzt ist es Fakt: Das geplante Batterie-Zellwerk in Kaiserslautern wird nicht kommen. Der Batteriehersteller ACC zieht endgültig den Stecker. Der Grund: die schwache Nachfrage nach E-Autos in Europa. Tausende Jobs in der Westpfalz werden also nicht entstehen. Ein Schock für die Region.
Das Gelände rund um das ehemalige Opel-Werk in Kaiserslautern. Es liegt brach. Die Bagger rollen hier schon lange nicht mehr. Seit Mai 2024 liegt das Projekt auf Eis.
Das Projekt, dessen Start hier in Rüsselsheim Anfang 2020 noch groß gefeiert wurde. Und das mit rund 440 Millionen Euro Steuergeld gefördert werden sollte.
Peter Altmaier (CDU), damaliger Bundeswirtschaftsminister, am 07.02.2020
„Weil es dazu führt, dass wettbewerbsfähige Arbeitsplätze entstehen, die gut bezahlt sind.“
Malu Dreyer (SPD), damalige Ministerpräsidentin RLP, am 07.02.2020
„Natürlich wird auch dieser Forschungsstandort profitieren, von dieser Zukunftstechnologie. Und darüber hinaus ist es auch so, dass wir zusätzliche Arbeitsplätze hier dann schaffen werden.“
Rund 2.000 Arbeitsplätze sollten hier entstehen. Doch jetzt ist das Aus für das Batteriewerk besiegelt. Ein harter Schlag für die Westpfalz.
Beate Kimmel (SPD), Oberbürgermeisterin Kaiserslautern
„Ich fand, Kaiserslautern war prädestiniert mit der Forschungs- und Entwicklungslandschaft hier das ganze Knowhow zu stützen, also es war wirklich ein großer Moment exakt vor sechs Jahren, als hier die Entscheidung für den Standort gefallen ist und entsprechend bitter war natürlich die Entscheidung des Unternehmens jetzt davon Abstand nehmen zu wollen.“
Der Batteriehersteller ACC ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Stellantis, Mercedes Benz und Total Energies. Die Entscheidung gegen das Batteriezellwerk in Kaiserslautern folgt auf einen historischen Kurssturz beim Opel-Mutterkonzern Stellantis. Die Aktien des Konzerns mit Deutschlandsitz in Rüsselsheim waren am Freitag um über 20 Prozent eingebrochen, nachdem Stellantis angekündigt hatte, die Entwicklung von Elektrofahrzeugen deutlich zurückzufahren.
Im FDP-geführten rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium meldet sich auf unsere Interviewanfrage heute niemand.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer sagt, er fände die Entscheidung von ACC, auch aus strategischen Gründen, bedauerlich.
Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsident RLP
„Ich finde es falsch, dass Unternehmen auch in Deutschland beteiligt sind, auch im Bereich der Automobilwirtschaft und diese strategische Aufgabe der Batteriezell-Produktion in andere Standorte der Welt geben. Das macht uns nicht unabhängiger, aber wie gesagt, es ist eine unternehmerische Entscheidung.“
Eine unternehmerische Entscheidung, die die IG-Metall scharf kritisiert. Das Aus für das Werk in Kaiserslautern sei „irrational und verantwortungslos“.
Jörg Köhlinger, Bezirksleiter IG Metall Mitte
„IG-Metall und Betriebsräte haben sich jahrelang engagiert, politisch gestritten, dafür dass eine Batteriezellenfertigung nach Kaiserslautern kommt. Insofern ist das eine dramatische Entscheidung. Alle reden über Resilienz in den Wertschöpfungsketten. Wenn man sich nun aber verabschiedet aus der Batteriezellenfertigung, ist das das Gegenteil von Resilienz.“
Mit rund 50 Millionen Euro wollte das Land Rheinland-Pfalz das Projekt fördern. Steuergeld. 500.000 Euro davon sind bereits geflossen.
Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsident RLP
„Der Bund wird jetzt die Federführung haben, auch was die Frage der Rückgabe dieser Fördermittel angeht, und da werden wir natürlich gemeinsam mit dem Bund unsere Interessen auch gewahrt sehen.“
Das Batteriewerk in Kaiserslautern – es sollte ein Leuchtturmprojekt werden. Doch jetzt ist das Milliardenprojekt Geschichte.







