Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Jedes fünfte Kind in Rheinland-Pfalz kam im vergangenen Jahr mithilfe einer sogenannten Beleghebamme zur Welt. Das sind selbstständige Hebammen, die fest in einem Krankenhaus arbeiten und dort Frauen bei der Geburt ihres Kindes begleiten. Und für diese Beleg-Hebammen gibt es seit Anfang November einen neuen Vergütungvertrag - sehr zu ihrem Nachteil, sagen sie. Wir schauen jetzt, wie sich die Situation in den letzten drei Monaten verändert hat.
Diese ersten Momente im Leben eines neuen Menschen gehören ihnen: Hebammen schauen nach, sind alle Finger da? Alle Zehen? Wie schwer ist das Neugeborene? Ein Job mit viel Verantwortung. Und einer, der für viele Hebammen zunehmend unattraktiver wird.

Juliane Müller, Vorsitzende Deutscher Hebammenverband Rheinland-Pfalz
„Wir sind ein bisschen in der Situation, dass wir überlegen, wie geht’s jetzt weiter? Wie lange können wir noch durchhalten?“

Grund ist der neue Hebammenhilfevertrag. Aus Sicht vieler selbstständiger Hebammen verschlechtert der ihre Situation. Das betrifft Hebammen, die ambulant arbeiten. Also Frauen vor und nach der Geburt begleiten, beispielsweise mit Rückbildungskursen. Vor allem aber trifft es Beleghebammen. Das sind freiberufliche Hebammen, die in Krankenhäusern bei Geburten unterstützen. Hier soll die sogenannte 1:1 Betreuung gestärkt werden, also dass eine Hebamme für nur eine Frau zuständig ist. Für  Juliane Müller eine gute Idee. Nur: Der Plan scheitere an der Umsetzung, weil Geburten nicht planbar seien.

Juliane Müller, Vorsitzende Deutscher Hebammenverband RLP
„Man sieht aber, dass es eigentlich genau dagegen arbeitet. Also dass dieser Zuschlag, den die Beleghebammen bekommen, den bekommen die eben auch nur für einen gewissen Zeitraum. Für vier Stunden, zwei Stunden vor der Geburt und zwei Stunden nach der Geburt. Und wenn so eine Geburt zwölf Stunden dauert, dann bekommen sie halt eben acht Stunden lang nur 80 Prozent bezahlt.“

Der Spitzenverband der Krankenkassen, GKV, verhandelt mit den deutschen Hebammenverbänden die Bezahlung. Für ein Interview steht der GKV nicht zur Verfügung und antwortet uns stattdessen mit einem vorgefertigten Statement.

„Aus unserer Sicht sprechen die strukturellen Rahmenbedingungen dafür, dass eine Umstellung mit dem Ziel mehr 1:1-Betreuungen möglich ist […] Die gesetzlichen Krankenkassen rechnen mit Mehrausgaben von über 100 Millionen Euro – das heißt deutlich mehr Geld für eine bessere Versorgung, für eine Stärkung der Geburtshilfe und für bessere Arbeitsbedingungen.“

Gleichzeitig beklagen die Beleghebammen schon nach den ersten drei Monaten Umsatzeinbußen. Aus ihrer Sicht ist klar: So kann der Vertrag nicht bleiben.