In Deutschland leben rund 800.000 Menschen mit dem Tourette-Syndrom. Die Betroffenen leiden unter verschiedenen Ticks. Manche rufen plötzlich Beleidigungen, andere haben körperliche Zuckungen oder müssen sich ständigem Räuspern. So auch Bernd Korz aus Obrigheim in der Pfalz. Er hat einen ganz besonderen Weg gefunden mit seinen Ticks umzugehen.
Wenn Bernd Korz auf dem Klavier spielt und singt, merkt man es ihm kaum an: Der 56-Jährige Pfälzer hat Tourette. Doch beim Musizieren sind seine Tics fast verschwunden. Sonst prägen sie seinen Alltag – vor allem körperliche Zuckungen.
Mit fünf Jahren beginnen die ersten Tics. Er ist unruhig, muss sich ständig räuspern. Seine Eltern wissen nicht damit umzugehen. Tourette ist in den 70er-Jahren noch kaum erforscht. Statt ihn zu unterstützen, reagiert Bernds Umfeld mit Unverständnis:
Bernd Korz, Tourette-Betroffener und Musiker
„Mein Gott, ist der nervös, der Bangert. Hör doch mal auf. Bleib doch mal ruhig hocken du Zappelphillip. Ich batsch dir gleich eine, wenn du nicht aufhörst. So war das halt früher. Früher war halt Tourette, der ist einfach nervös der Depp.“
Seine Jugend und das frühe Erwachsenenalter sind geprägt durch Anfeindungen.
Bernd Korz, Tourette-Betroffener und Musiker
„Du wirst dann wirklich blöd angeschaut – auch im Erwachsenenalter. Leute machen einen wirklich an und sagen: bist du Behindert? Ja klar bin ich Behindert du Idiot, das ist doch offensichtlich.“
In seiner Musik verarbeitet Bernd diese Erfahrungen und greift andere schmerzhafte Erinnerungen auf.
Bernd Korz, Tourette-Betroffener und Musiker
„Meine Mutter hat sich mit 49 Jahren das Leben genommen. Und als meine Frau und ich im Auto saßen und ich habe gesungen, da habe ich meine Frau gefragt: Würde meine Mama mitsingen?“
Seine Frau Meike ist seine Stütze im Alltag. Sie schenkt ihm vor fünf Jahren seine erste Gitarre. Seit 32 Jahren sind beide verheiratet. Sein Tourette bemerkt sie anfangs gar nicht.
Meike Korz, Bernds Ehefrau
„Das hat er gut unterdrückt und als ich es dann bemerkt habe, da war ich schon so verliebt, da war mir es dann ganz egal.“
Jeden Tag gehen die beiden mit den Hunden spazieren. Auch hier machen sich seine Tics bemerkbar: Ständig muss er spucken. Doch zurück im Studio sind die Tics wieder so gut wie weg. Warum?
Bernd Korz, Tourette-Betroffener und Musiker
„Musik ist ja durchaus für das Gehirn Stress. Du musst wissen, welche Taste ich drücke oder welche Seite ich spiele, welchen Akkord, ich brauch eine Melodie, ich brauch den Text dazu, ich muss singen. Da passiert so viel im Kopf und dann ist da kein Freiraum für den Körper, um einfach mal loszuzucken. Du bist komplett in dieser Welt drin und du versinkst komplett da drin.“
Eine Welt, in der Bernd Korz frei ist von seinen Tics – in seiner Musik findet er sie. Und dank seiner Familie immer öfter in seinem Alltag.







