Einer der größten Internetknotenpunkte der Welt ist Frankfurt. In der Rhein-Main Region gibt es schon jede Menge Server-Zentren – aber das reicht nicht, um die riesigen Datenmengen zu bewältigen, die wir tagtäglich durchs Internet schicken. Nun sollte ein weiteres Rechenzentrum in Groß-Gerau entstehen. Doch jetzt schmettert der Stadtrat das 2,5 Milliarden Euro Projekt ab: SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler und Linke haben vereint dagegen gestimmt. Die Grünen jubeln und sagen: "Milliardendeal glücklich geplatzt". Die CDU im Stadtrat hat für das Projekt gestimmt und spricht davon, dass nun Zukunft verhindert wird. Ein Fall zum Kopf schütteln und doch kein Einzelfall. Auch in Maintal bäumt man sich gegen den Bau eines Rechenzentrums auf. Hier allerdings gibt’s andere Gründe.
Hier im Gewerbegebiet Dörnigheim könnte es bald so aussehen: Ein riesiges Rechenzentrum, eigenes Gaskraftwerk inklusive. Denn der digitale Komplex soll mit einer Leistung von bis zu 120 Megawatt zu einem der größten im Rhein-Main-Gebiet werden, doch dafür fehlt im kleinen Maintal einfach der Strom. Also will der US-amerikanische Betreiber Edgeconnex auf den 100.000 Quadratmetern ein eigenes Gaskraftwerk mit Dieselersatzmotoren bauen. Das hat im Maintaler Stadtparlament schon für große Diskussionen gesorgt, die Stadtverordneten verlangen mehr Informationen zu dem Vorhaben. Zu den ausgemachten Kritikern gehört Götz Winter, er sorgt sich vor allem wegen der großen Dimension des Kraftwerks.
Götz Winter (CDU), Stadtverordneter Maintal
„Wir haben CO2-Emissionen, Giftstoffe, die aus dem Schornstein rauskommen können. Wir befinden uns hier in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet. Und tatsächlich soll ein Kraftwerk hierhin gestellt werden, das ungefähr die Größenordnung hat, um ganz Frankfurt mit Energie zu versorgen.“
Die Kritiker rechnen mit einem Ausstoß von 600.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Im Gegenzug erwartet Götz Winter nur geringe Gewerbesteuereinnahmen, da Rechenzentren mit wenig Personal auskommen. Ein Branchenverband schätzt die jährlichen Zusatzeinnahmen für Maintal auf 2,6 Millionen Euro. Dem Betrag wäre man im Magistrat nicht abgeneigt. Bürgermeisterin Monika Böttcher betont aber, die Stadt könne beim Bauvorhaben gar nicht mitentscheiden – denn das Gelände ist nicht in städtischer Hand.
Monika Böttcher (parteilos), Bürgermeisterin Maintal
„Das liegt nicht in der Entscheidung der Stadt Maintal. Sondern es unterliegt einem sehr aufwendigen Prüfverfahren nach dem sogenannten Bundesimmissionsschutzgesetz. Und das wird durch die Umweltbehörde durchgeführt, hier das Regierungspräsidium Darmstadt.“
Laut Regierungspräsidium sind noch nicht alle erforderliche Unterlagen eingegangen. Erst dann könne die tatsächliche Umweltbelastung geprüft werden. In frühestens sieben Monaten sollen die Maintaler erfahren, ob der Bau des Rechenzentrums in seiner derzeit geplanten Form grünes oder rotes Licht bekommt.







