Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Die Esche, einst Hoffnungsträger gegen den Klimawandel, kämpft ums Überleben. Schuld daran ist ein Pilz aus Ostasien, der die Bäume befällt. Ein Forschungsteam der Uni Kassel hat nun einen Weg gefunden, der die Eschen retten könnte. Ein Kampf zwischen gutem Pilz und bösem Pilz.
Mit dem bloßen Auge ist es leicht zu übersehen, für die Eschen ist es tödlich. Das Falsche Weiße Stengelbecherchen. Ein Pilz, der in die Eschen hineinwächst und die Leitungsbahnen verstopft. Die Bäume sterben ab.
Fast alle Eschen in Deutschland sind von dem Parasiten befallen. Nicht nur für den Wald ein Problem.

Ewald Langer, Fachgebiet Ökologie Universität Kassel
"Tatsächlich ist es so, dass wir Eschenholz dringend brauchen. Zum Beispiel für Werkzeuge. Alle Stiele von Gartenwerkzeuge sind aus Esche, Hammerstiele, Turngeräte sind aus Eschenholz, Fußböden sind aus Eschenholz. Also das ist ein wirtschaftlich sehr wichtiges Holz."

Professor Ewald Langer und Studentin Jana Binder forschen deshalb und haben bereits erste  Erkenntnisse gewonnen. So gibt es  Pilze, die sich gegen das Falsche Weiße Stengelbecherchen, in der Fachsprache Hymenoscyphus fraxineus, durchsetzen können.

Jana Binder, Masterstudentin Biologie
"Ich habe 32 verschiedene Arten von Pilzen getestet gegen Hymenoscyphus fraxineus und dabei sind vier verschiedene Interaktionsformen aufgetreten."

Manchmal grenzen sich die Pilze voneinander ab, manchmal gewinnt der schädliche  Pilz und manchmal überwächst der gute Pilz den bösen.  So wie hier. Der schädliche Pilz links ist fast vollständig von seinem Gegner bedeckt. So kann das Falsche Weiße Stengelbecherchen sich nicht weiter ausbreiten. Vier Pilzarten scheinen dazu geeignet, die Eschen gegen den Parasiten zu verteidigen. Normale Hutpilze  schaffen es, in Pflanzenwurzeln hineinwachsen und fördern dann ihr Wachstum.  In diesen Gläsern testet Professor  Langer, wie gut die vier helfenden Pilze tatsächlich in die kleinen Eschenklone einwachsen und ob sie auch in der Praxis helfen.

Ewald Langer, Fachgebiet Ökologie Universität Kassel
"Das kann man sich so vorstellen, wie zum Beispiel die Darmflora des Menschen. Wir haben ja auch viele Organismen in uns drin und wenn man eine gute Darmflora hat, dann geht’s einem eigentlich gut, dann ist man gesund. Und wenn das nicht der Fall ist, dann kann man auch krank werden. Und so muss man sich das bei Bäumen auch vorstellen. Die leben immer zusammen mit anderen Organismen. Hauptsächlich Pilzarten. Und da gibt’s eben Parasiten und es gibt förderliche."

Drei Jahre lang dauert das  Projekt, das vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert wird. Sollten die Experimente in den Gläsern klappen, werden sie im Gewächshaus getestet. In etwa zwei Jahren könnten die gestärkten Eschen dann in der freien Natur wachsen.