Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Darüber wollen wir jetzt mehr erfahren, von Barbara Mächtle. Sie ist die Schulleiterin der Gräfenau Grundschule in Ludwigshafen.
Markus Appelmann: Guten Tag Frau Mächtle.
Barbara Mächtle, Schulleiterin Gräfenau-Schule Ludwigshafen: Guten Tag.
Markus Appelmann: Wir haben es im Beitrag gehört, Sie gehen davon aus, dass auch in diesem Schuljahr wieder rund 35 Erstklässler nicht versetzt werden können. Was sind die Gründe dafür? Hat Sie das Land nicht ausreichend unterstützt?
Barbara Mächtle, Schulleiterin Gräfenau-Schule Ludwigshafen: Also die Gründe sind nach wie vor ja die deutsche Sprache, die den Kindern nicht bekannt ist. Ich wurde besser unterstützt mit Sprachförderkräften, so dass wir die Kinder hier wirklich in Deutschkurse geben können, wo sie zwei Stunden am Tag intensiv Deutsch lernen. Aber dadurch gehen sie ja aus dem Unterricht raus. Dadurch bekommen sie andere Unterrichtsinhalte nicht mit und ein Kind kann das auch nicht alles aufarbeiten. Also wenn ich die deutsche Sprache nicht kenne, fehlt es mir in Mathematik, im Sachunterricht in jedem Fach unter Umständen. Und das innerhalb von einem Jahr aufzuholen und eine neue Sprache zu lernen, das ist unmöglich.
Markus Appelmann: Jetzt gibt es im Land ein Modellprojekt an 350 Kitas mit zusätzlichen Sprachstunden. Aber man braucht doch kein Modellprojekt, Sie mahnen doch seit Jahren, Sprache ist der Schlüssel!
Barbara Mächtle, Schulleiterin Gräfenau-Schule Ludwigshafen: Ja, es gab verschiedene Projekte an den Kitas. Man hat sie dann auch mal wieder abgeschafft. Auch hier gab es mal Sprachkitas, wo Sprachförderkräfte in die Kitas kamen, mit Kindern gearbeitet haben. Dann sagt man, das muss alles alltagsintegriert sein. Das Problem hier an Kitas in Ludwigshafen ist, dass die Kinder mehr andere Sprachen als Deutsch hören. Und dann kann ein Kind im Alter kein Deutsch lernen. Wenn ein Kind Deutsch lernen soll, muss man das Kind in einer kleinen Gruppe herausnehmen und muss intensiv mit ihnen Deutsch üben. Modellprojekte bräuchte man dazu nicht unbedingt.
Markus Appelmann: Die Gräfenau Grundschule gehört zu einer von vier Grundschulen in Ludwigshafen, die an dem Projekt „Familiengrundschulzentrum“ teilnehmen. Sie haben uns mal gesagt, dass es schwierig ist, die Eltern einzubinden. Krankt genau daran diese Idee des „Familiengrundschulzentrums“?
Barbara Mächtle, Schulleiterin Gräfenau-Schule Ludwigshafen: Ja, wir haben immer noch tatsächlich Probleme, die Eltern in das Schulleben, wie man es gerne hätte, einzubinden. Also die Eltern kommen mit ihren Kindern zu Bastelnachmittagen, zu Spielenachmittagen in den Schulgarten. Das ist auch sehr schön, da freuen wir uns auch wirklich drüber. Aber diesen Schritt, von diesen Veranstaltungen mehr Verantwortung zu übernehmen und auch das System Schule mehr wahrzunehmen und zu erkennen, was mein Kind für die Schule braucht, den Schritt haben wir noch nicht geschafft mit dem Familiengrundschulzentrum.
Markus Appelmann: Deutschlernen steht im Mittelpunkt – sagt Barbara Mächtle, die Schulleiterin der Gräfenau Grundschule in Ludwigshafen – Danke Ihnen.
Barbara Mächtle, Schulleiterin Gräfenau-Schule Ludwigshafen: Gerne.