Deutschland steckt tief in der Wirtschaftskrise: kaum Wachstum, explodierende Sozialausgaben, eine Politik, die Reformen sehr zaghaft angeht. All das war gestern Abend Thema beim größten Jahresempfang der regionalen Wirtschaft in Deutschland. Als Hauptredner kam der ehemalige EU-Kommissionschef Jean Claude Juncker nach Mainz – neben vielen wirtschaftlichen Themen outet sich Juncker auch als Fastnachts-Fan.
So langsam kommt an ihr in Mainz niemand mehr vorbei: der Fastnacht. Vielleicht ist auch deshalb die Stimmung am Montagabend beim Jahresempfang der Wirtschaft ausgelassen. Was nicht bedeutet, dass die Themen nicht auch ernst sind.
Marcus Walden, Präsident Industrie- und Handelskammer Rheinhessen
„Paar Herausforderungen wiederholen sich. Wird jetzt auch langsam Zeit, dass wir die gelöst bekommen.“
Gemeint sind Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und Bürokratie. Allesamt seit langer Zeit bekannt – doch ohne einen Kurswechsel in der Politik für Unternehmen unlösbar.
Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsident RLP
„Ich habe jetzt allein in meiner bisherigen Amtszeit als Ministerpräsident schon zwei Bürokratieabbauprogramme auf den Weg gebracht. Man muss es nur wollen und man muss es machen. Und man muss es zur Chefsache machen, wie ich es gemacht habe.“
Ganz so überzeugt ist Marcus Walden von der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen nicht.
Marcus Walden, Präsident Industrie- und Handelskammer Rheinhessen
„Was sich geändert hat, ist schon, dass die Erkenntnis da ist, dass sich was ändern muss. Bei der Umsetzung haben wir noch nicht die Geschwindigkeit, die wir haben müssen. Das muss sich beschleunigen. Wir erkennen durchaus an, dass erste Schritte unternommen sind. Aber wenn die Frage ist, ob das in der Breite der Betriebe ankommt, aktuell noch nein.“
Ehrengast an diesem Abend ist Jean-Claude Juncker, ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission. Er kritisiert vor allem die Politik von Donald Trump. In dessen erster Amtszeit habe er mit ihm Verhandlungen geführt. Damals sei der Umgang mit dem US-Präsidenten noch leichter gewesen.
Jean-Claude Juncker, Präsident Europäische Kommission 2014-2019
„Das ging gut. Sehr gut sogar. Es ging so gut, dass er mich geküsst hat. Ich muss zugeben, ich umarme und küsse gerne. Meine Frau hatte mir gesagt: 'Du wirst dich doch von dem nicht küssen lassen!'“
Gleichzeitig mahnt der Luxemburger die Europäer, beim Umgang mit extremen Parteien auf dem eigenen Kontinent vorsichtig zu sein.
Jean-Claude Juncker, Präsident Europäische Kommission 2014-2019
„Wer den Populisten nachläuft, wird selbst zum Populisten. Und ich kann die klassischen Volksparteien Christdemokraten, Sozialdemokraten, Liberale und Grüne nur warnen, dieselbe Rede zu führen wie die extremen Rechten. Wer so redet wie die, wird so wie die.“
Trotz aller wirtschaftlicher und politischer Hürden in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus: Die Stimmung bleibt an diesem Abend gut.
Jean-Claude Juncker, Präsident Europäische Kommission 2014-2019
„Helau!“







