Genau eine Woche ist es her, dass der Zugbegleiter Serkan Calar aus Ludwigshafen gestorben ist, nachdem er von einem Fahrgast brutal niedergeschlagen wurde. Seitdem ist eine Debatte über die Sicherheit von Zugbegleitern entbrannt. Am Freitag kommen Vertreter von Bahn, Gewerkschaften sowie Bundes- und Landespolitik zu einem Gipfel in Berlin zusammen. Was kurzfristig auf Landesbene verbessert werden kann, war bereits heute in Mainz Thema.
Bodycams. In Rheinland-Pfalz sind sie bislang nur in Modellprojekten getestet worden, jetzt sollen sie flächendeckend zum Einsatz kommen.
Entscheidend ist laut Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft allerdings, dass die Kameras Ton aufzeichnen dürfen, damit auch verbale Übergriffe geahndet werden können. Das ist aus Datenschutzgründen bislang aber nicht möglich.
Katrin Eder (Bündnis 90 / Die Grünen), Mobilitätsministerin RLP
"Der Ton bei den Bodycams, ob man den anschalten darf, da gibt es unterschiedliche Erzählungen. Da wird man jetzt nochmal genauer hinschauen müssen, ob es dafür einer bundeseinheitlichen, rechtlichen Regelung bedarf oder ob wir das so hinbekommen.“
Um den Arbeitsalltag von Zugbegleitern schnell sicherer zu machen, erhalten Verkehrsunternehmen in Rheinland-Pfalz ab sofort die Möglichkeit, Schichten immer doppelt zu besetzen.
Lars Kreer, EVG RLP
„Dazu ist der Weg heute freigemacht worden. Jetzt liegt es an den Arbeitgebern, dass auch umzusetzen. Da ist meine Erwartungshaltung, dass also auch in den nächsten Tagen mit den örtlichen Betriebsräten die Gespräche geführt werden und dass die Dienstpläne so umgestellt werden, dass also tatsächlich auch dann eine Doppelbesetzung realistisch stattfindet.“
Weil kurzfristig nicht mehr Personal zur Verfügung steht, bedeuten Doppelschichten, dass es weniger Kontrollen geben wird. Welche Strecken künftig doppelt und welche dafür gar nicht mehr besetzt werden, entscheiden die Anbieter vor Ort.
Langfristig soll Personal aufgebaut werden. Die Landesregierung stellt heute in Aussicht, die Kosten dafür zu übernehmen, ebenso für die Bodycams.
Katrin Eder (Bündnis 90 / Die Grünen), Mobilitätsministerin RLP
„Wir werden aus unserem Mobilitätshaushalt jetzt Möglichkeiten suchen, hierfür nochmal Geld in die Hand zu nehmen und wissen, dass es im Volumen eines mittleren einstelligen Millionenbetrages sich bewegen wird.“
Die absolute Sicherheit wird es nie geben. Da sind sich die Gesprächspartner in Mainz heute einig. Letztlich müsse jeder sein Verhalten hinterfragen.
Marcel Labonte, EVG RLP
„Es ist ein gemeinsamer Auftrag und da nehme ich uns alle in die Verantwortung: Wir müssen zusehen, dass wir wegkommen von diesem Status Quo, auf dem wir gerade sind und wieder hin zu einer Menschlichkeit, die uns insgesamt in der Gesellschaft momentan leider fehlt.“
Und: Die Sicherheit von Bahnbeschäftigten müsse Thema bleiben. Auch über den Berliner Bahngipfel am Freitag hinaus.







