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Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter Demenz. 2025 wurden bundesweit etwa 1,7 Millionen Betroffene von Krankheiten wie Alzheimer ereilt. In den kommenden Jahren wird diese Zahl weiter drastisch steigen, sagen Experten.. Denn: unsere Gesellschaft wird immer älter. Hoffnung macht Betroffenen aber nun ein neuartiges Medikament - das auch in einer Klinik in Trier zu Einsatz kommt.
Wolfgang Heumüller aus Trier: Sein Leben lang liest er leidenschaftlich gern, ist meinungsstark und politisch interessiert. Vor etwa einem Jahr bemerkt seine Frau Monika, dass er immer vergesslicher wird. Die Diagnose: Alzheimer.

Monika Heumüller
„Ich dachte O Gott, nicht mein Mann. Das kann doch gar nicht sein. Der war doch immer sehr politisch interessiert, geschichtlich interessiert, liest viel, ist viel im Austausch. Ich dachte nicht, dass ihn das treffen würde.“

Ein Lichtblick: Seine Demenz wird in einem frühen Stadium erkannt. So kann Heumüller mit dem neuartigen Medikament Leqembi behandelt werden. Seit August vergangenen Jahres ist es in Europa zugelassen. Als erstes Medikament überhaupt bekämpft es nicht  Symptome von Alzheimer, sondern dessen Ursachen.
Leqembi greift dort ein, wo die Krankheit entsteht: im Gehirn. Hier beeinträchtigen Eiweißablagerungen – sogenannte Plaques – die Funktionen der Nervenzellen. Leqembi bindet an diese schädlichen Eiweißmoleküle und lockt Fresszellen des Immunsystems an. Die Fresszellen bauen die schädlichen Ablagerungen ab und verzögern so das Fortschreiten der Demenz.
Der Wirkstoff  schenkt den Betroffenen also zusätzliche Monate eines normalen Lebens. Doch: Nur für fünf bis zehn Prozent der Alzheimerpatienten ist Leqembi geeignet. Es wirkt ausschließlich in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung. Und: Im Vergleich zu anderen Alzheimer-Medikamenten  ist es sehr teuer: Die Krankenkassen rechnen mit jährlichen Zusatzkosten von bis zu 1,4 Milliarden Euro.
Für Wolgang Heumüllers behandelnden  Arzt Matthias Maschke, Leiter der Neurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier,  bietet das neue Medikament große Chancen.

Prof. Matthias Maschke, Leiter der Neurologie Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier
„Und dann gibt es Erfahrungen von den Kollegen aus den USA, die das Medikament ja schon früher zur Verfügung hatten, das es auch einzelne Patienten gibt, bei denen das Medikament stärker wirkt. Bei denen man im Prinzip nicht nur verlangsamt, sondern in so ein Plateau kommt, wo das dann stabil, gleich bleibt und sich gar nicht mehr verschlechtert.“

Maschke macht aber auch klar:

Prof. Matthias Maschke, Leiter der Neurologie Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier
„Eine Heilung ist durch das Medikament definitiv nicht zu erzielen, weil dieser Eiweißstoff gegen den das Medikament gerichtet ist – Amyloid - nicht der einzige Baustein in der Entwicklung der Alzheimer Erkrankung ist. Es gibt andere sehr wichtige Proteine, wie zum Beispiel das Tau-Protein und dagegen wirkt das nicht."

Wolfgang Heumüller bekommt inzwischen seine siebte Infusion mit Leqembi. Das neue Medikament gibt ihm Zuversicht.

Wolfgang Heumüller
„Das bisschen was man dann noch lebt soll einigermaßen gut sein. Man hat die Hoffnung, dass da doch noch was gestoppt werden kann und wenn es auf dieser Ebene, dieser Basis bliebe, wäre ich sehr zufrieden.“

Für ihn zählt vor allem eines: So lange wie möglich ein aktiver Teil seiner Familie bleiben – Zeit mit seinen Enkeln zu verbringen und sie aufwachsen zu sehen.