So sieht die Zunge eines gesunden Rindes aus. Doch aktuell geht bei Viehhaltern in der Region die Angst vor der Blauzungenkrankheit um, nachdem sich in Rheinland-Pfalz und Südhessen zuletzt zwei Tiere mit dem neuen Virustyp angesteckt haben. Die deshalb eingerichtete Sperrzone zieht inzwischen immer weitere Kreise und betrifft nun fast ganz Hessen - mit wirtschaftlichen Folgen für Landwirte.
Mark Trageser macht sich Sorgen um seine 220 Rinder. Er liegt mit seinem Hof in der ausgeweiteten 150-Kilometer-Sperrzone, nachdem die Blauzungenkrankheit mit einem Ausbruch im Kreis Bergstraße nun erstmals auch Hessen direkt erfasst hat.
Mark Trageser, Landwirt aus Linsengericht, Vorsitzender Kreisbauernverband Main-Kinzig
„Wir schauen jeden Tag, dass es unsere Tieren gut geht aber wenn dann auf einmal die Mücken durch den Stall fliegen, dann guckt man natürlich schon noch mal besonders und macht sich so seine Gedanken dazu. Ansonsten ist es so: Die Stelle sind offen, die Kühe brauchen viel Luft und Licht, deswegen können wir eigentlich uns gar nicht schützen vor diesen Gnitzen, die das Virus übertragen.“
Den einzigen Schutz bietet die Impfung, zu der auch das Ministerium rät. Denn:
Landwirtschaftsministerium Hessen
„Die Wahrscheinlichkeit für eine Ausbreitung von BTV8 in Deutschland war aufgrund der Entwicklung der BTV-Seuchensituation hierzulande in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Von einer weiteren Ausbreitung im nächsten Sommerhalbjahr ist auszugehen.“
Doch an den Impfstoff für den neuen Virustyp 8 kommt der Landwirt aktuell gar nicht ran.
Mark Trageser, Landwirt aus Linsengericht, Vorsitzender Kreisbauernverband Main-Kinzig
"Für BTV 8 liegt derzeit kein passender Impfstoff vor. Hier ist dann die Gefahr, wenn der Impfstoff zu spät im Frühjahr vorliegt, dass wir dann bereits Tiere haben, die ich nenne es mal infiziert sind und wir dann eben noch einmal mit einer Impfung kommen würden, das würde die Tiere schwächen. Insofern hoffen wir, dass zügig ein Impfstoff verfügbar wird."
Beim großen Impfstoffhersteller Boehringer Ingelheim reagiert man verwundert auf die Kritik. Die Nachfrage sei sehr groß, die Situation komplex und dynamisch.
Die Sperrzone bedeutet für Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter nun Einschränkungen beim Transport sowie zusätzliche Kosten, etwa für Mückenschutz oder vorgeschriebene Blutproben.
Für Menschen ist das Blauzungenvirus ungefährlich, für Tiere kann es tödlich verlaufen. Beim bisher letzten großen Ausbruch im Sommer 2024 hat Mark Trageser zehn Tiere und nach eigenen Angaben mindestens 50.000 Euro verloren. Versicherer berichten damals von bundesweiten Schäden im zweistelligen Millionenbereich.
Verbraucher dürften wohl keine direkten Auswirkungen zu spüren bekommen. Mark Trageser und andere Landwirte hoffen nun, dass der neue Virustyp nicht erneut so heftig verläuft.







