Wie rapide diese Veränderung voranschreitet, das ist vielen noch gar nicht bewusst. Besonders die Auswirkungen auf die Berufswelt sind immens. KI ist hier längst ein unverzichtbares Werkzeug geworden. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer hat jetzt eine KI-Abgabe für Firmen ins Spiel gebracht, auch um die Rentenkasse zu sichern.
PSI Technics in Winningen im Landkreis Mayen-Koblenz. Hier dreht sich alles um das Thema Künstliche Intelligenz. Das Unternehmen entwickelt KI-Prozesse. Es geht um Digitalisierung und Automatisierung. Für Kunden im In- und Ausland. Darunter VW, Audi und die Deutsche Bahn.
Vor rund 20 Jahren hat Karl-Heinz Förderer das Unternehmen gegründet. 2017 wurde dann der Umzug hier nach Winningen geplant. Ein großes Gebäude, mit Platz für rund 80 Angestellte, doch die waren dann schlicht nicht zu finden. Stichwort Fachkräftemangel. 21 Menschen arbeiten jetzt hier, doch nicht nur sie.
Karl-Heinz Förderer, Geschäftsführer PSI Technics GmbH
„Es sind mehr Simulationen von Menschen vor Ort, die sie zurzeit nicht sehen. Wir arbeiten mit 180 simulativen Menschen im Hintergrund in Computersystemen. (…) Wo früher noch Menschen gesessen haben, haben wir die Menschen einfach nicht mehr bekommen, sie sind einfach nicht mehr vorhanden. Und der Computer übernimmt jetzt diese Aufgaben und erledigt sie. Tag für Tag. Stunde für Stunde. Minute für Minute.“
Hier in Winningen wird also mit KI an KI gearbeitet.
Und nicht nur hier verändert die Künstliche Intelligenz die Abläufe radikal. Für dieselben Tätigkeiten werden immer weniger Menschen gebraucht.
Ein Problem für die Rentenkasse. Dazu kommt: Millionen Babyboomer verlassen in den kommenden Jahren den Arbeitsmarkt. Immer weniger Einzahler treffen also auf immer mehr Rentner.
Die Rentenkommission hat Anfang Januar mit ihrer Arbeit begonnen. Bis Mitte des Jahres soll sie der Bundesregierung Vorschläge für Reformen machen. Dabei muss sie auch die wachsende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz berücksichtigen, sagt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer.
Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz
„Da wo Muskelkraft oder die Arbeitskraft nicht mehr der Produktionsfaktor ist, brauchen wir trotzdem für die Menschen, die da sind und im Beruf sind, eine Absicherung. Und da, wo die KI der neue Kollege ist, müssen wir überlegen, wie auch in der Rente der Kollege KI auch seine Beiträge bezahlt.“
Ein Vorschlag, den man gut nachvollziehen kann, findet Arne Rössel, der Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Allerdings nur auf den ersten Blick.
Arne Rössel, Arbeitsgemeinschaft IHK Rheinland-Pfalz
„Wenn man etwas weiter darüber nachdenkt, ist es von uns aus nur abzulehnen, weil der Staat hat kein Einnahmeproblem. Er sollte nicht neue Einnahmentatbestände schaffen, weil die wieder Bürokratie mit sich bringen. Also wenn sie sich mal vorstellen, wie wollen sie die KI-Nutzung messen, wie wollen sie es klassifizieren, wie wollen sie es gerecht machen? Also das ist ein wunderbares Feld für Bürokratie-Aufbau.“
Das befürchtet auch Karl-Heinz Förderer. Auch wenn Ministerpräsident Alexander Schweitzer betont, dass die KI-Abgabe gerade nicht den Mittelstand betreffen soll. Förderer sagt, die Idee sei trotzdem problematisch.
Karl-Heinz Förderer, Geschäftsführer PSI Technics GmbH
„Weil man muss immer sagen, wo fängt es an, wo hört es auf. KI ist kein regionales Thema oder nationales Thema. KI ist ein globales Thema. Und auch der Mittelstand wird immer wieder damit konfrontiert werden. Und dann muss man überlegen, wo ist die Schnittstelle, wo ist nicht die Schnittstelle. Wie wird sie kontrolliert und was für Maßnahmen kann ich überhaupt schaffen, um noch zu differenzieren. Ab wann trifft es den Mittelstand und ab wann trifft es den nicht mehr?“
Der Firmenchef aus Winningen ist überzeugt: Deutschland müsse aufpassen, in Sachen KI nicht den Anschluss zu verlieren. Abgaben seien da der falsche Weg, sie seien Gift für Innovationen.







