Spätestens seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine vor vier Jahren ist klar: Wir leben in unruhigen Zeiten. Die Gefahr, selbst ins Visier von Attacken zu geraten steigt auch bei uns in Deutschland. Gerade in Sachen hybrider Kriegsführung stehen wir bereits heute unter Dauerbeschuss – Tag für Tag wehren sich etwa Unternehmen gegen Cyberangriffe, vor allem aus Russland. Da stellt sich die Frage: Wie gut ist unsere Wirtschaft eigentlich gegen Angriffe von außen gewappnet? Mit Hilfe einer speziellen App können Unternehmen in Hessen und darüber hinaus ihre Widerstandsfähigkeit künftig selbst überprüfen.
Für Unternehmer beträgt der Aufwand gerade einmal 15 bis 20 Minuten: Auf der Seite ResilienzCheck.org können Firmen schnell und problemlos erfahren, wie gut ihr Betrieb für den Ernstfall gewappnet ist. Dazu müssen sie einfach nur 58 Fragen beantworten – anonym, ohne spezielles Vorwissen – und kostenlos.
Daniel Gal, Entwickler Resilienz-App: „Da geht es um so konkrete Fragen wie: Können Deine Mitarbeitenden Homeoffice machen? Hast Du dafür alles nötige drinne? So einfache Fragen, die wir vielleicht auch während Corona gelernt haben. Bis hin zu Fragen wie: Weißt Du, wer in Deinem Unternehmen beim THW oder bei der Feuerwehr arbeitet? Also wer hat Zusatzqualifikationen? Wer ist im Krisenfall eventuell nicht da? Es geht aber gleichzeitig auch um Fragen wie: Hast Du eine Zwei-Faktor-Authentifizierung eingeführt in Deinem Unternehmen?“
Über ein einfaches Scoring-System mit 100 Punkten können Unternehmer sofort sehen, wo sie stehen – und sie erhalten auch Hinweise, wo vielleicht noch nachgebessert werden muss. Netter Nebeneffekt: Anhand der gesammelten Daten lässt sich erkennen, welche Branchen schon gut dastehen und wo es noch die größten Probleme gibt. Auch die Bundeswehr war an der Entwicklung der App beteiligt. Denn Landesverteidigung sei letztlich nicht nur Sache des Militärs, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Holger Radmann, Brigadegeneral, Kommandeur Landeskommando Hessen: „Wir haben Drohnenüberflüge, Drohnensichtungen. Wir haben Cyberattacken. Viele Dinge, die hier tagtäglich passieren, die wir versuchen zuzuordnen. Und es geht insgesamt darum zu verstehen, dass es nicht unbedingt darum gehen mag, Deutschland oder die NATO unmittelbar militärisch anzugreifen. Es geht darum, tatsächlich mit Mitteln der hybriden Kriegsführung uns auseinander zu dividieren als Gesellschaft. Mangellagen zu erzeugen, Diskussionen zu erzeugen. Und wenn wir es schaffen, resilienter zu werden, dann sind wir auch gewappnet.“
Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori freut sich vor allem darüber, dass die Unternehmen den Resilienz-Check ohne großen Aufwand durchführen können: Aktenordner zu wälzen oder Zahlen herauszusuchen, sei für die Beantwortung der Fragen nicht nötig.
Kaweh Mansoori, SPD, Wirtschaftsminister Hessen: „Wir brauchen glaube ich vor allem niedrigschwellige Angebote, dass Unternehmen sich mit ihrer eigenen Resilienz auseinandersetzen. Hier gab es auch eine enge Kooperation zwischen der Wirtschaft, der Bundeswehr, den Unternehmen und dem Land. Natürlich wollen wir damit auch Vorreiter sein. Gerade hier im Herzen von Europa mit all den Netzen, die hier zusammenlaufen, sind wir natürlich besonders verwundbar mit Blick auf die allgemeine Bedrohungssituation. Deshalb ist es auch wichtig, dass sich unsere Unternehmen mit ihrer eigenen Verwundbarkeit auseinandersetzen und sich widerstandsfähiger aufstellen.“
Erste Hinweise auf relevante Sicherheitslücken oder offene Angriffsflächen erhalten die Unternehmen sofort in der App. Weitere Handlungsempfehlungen, wie der eigene Betrieb ohne großen Aufwand resilienter werden kann, gibt es dann auf Wunsch von der Bundeswehr oder vom hessischen Wirtschaftsministerium.







