Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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"Leerstand? Sieht aus wie nix, wird aber mal geil!“ Diesen Werbeflyer für ein altes Gebäude, hat die gelernte Innenarchitektin Natalie Miller entworfen. Seit Mai vergangenen Jahres ist es die Aufgabe der 28-Jährigen, die vielen Leerstände in der Region Otterbach-Otterberg zu verringern. Sie ist die einzige Dorfumbaumanagerin Deutschlands.
Ein Wohnhaus in Olsbrücken. Die Substanz sieht eigentlich noch gut aus, doch das Gebäude ist total mit Gestrüpp und Efeu überwuchert. Es steht seit Jahren leer. Zusammen mit Bürgermeister Benjamin da Silva Moreira schaut sich Natalie Miller das Haus an. Eine Ortsbegehung. Als Dorfumbaumanagerin ist sie insgesamt für 11 Gemeinden und die Stadt Otterberg zuständig. Hier in Olsbrücken gibt es 22 leerstehende Wohnhäuser.

Benjamin da Silva Moreira (FWG), Bürgermeister Olsbrücken
"Das ist ein Gebäude, wo es, soweit ich weiß, schwierig ist, die Eigentümer überhaupt zu kontaktieren. Soweit ich weiß, sind die im Ausland. Was schade ist, denn das Gebäude sieht, zumindest was man außen sieht, eigentlich noch gut aus. Man sieht aber an dem Bewuchs, dass es so dornröschenschlossmäßig aussieht, dass es schon länger leersteht."
Natalie Miller, Dorfumbaumanagerin
"Ist aber auf jeden Fall schon so ein Beispiel, was öfter vorkommt. Dieses wuchernde, wo man nicht mehr zum Eingang durchkommt, das ist schon ein klassischer Leerstand."

Die Eigentümer zu finden und versuchen, sie zu kontaktieren, gehört zu den Aufgaben von Natalie Miller. Ihre Stelle wird größtenteils durch Fördergelder der EU finanziert. In der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg gab es im vergangenen Jahr über 200 Leerstände. Für Bürgermeister Harald Westrich ein Zeichen noch mehr gegen das Dorfsterben zu unternehmen.

Harald Westrich (SPD), Verbandsbürgermeister Otterbach-Otterberg
"Das Thema Leerstände, hatte wir bereits 2013 auf die Agenda gesetzt, aber mit mehr oder weniger gutem Erfolg und im letzten Jahr im April haben wir gesagt: Okay, jetzt brauchen wir eine Dorfumbaumanagerin und haben dann im letzten Jahr im April dazu eine Mitarbeiterin eingestellt."

Die Stelle ist erstmal auf zwei Jahre befristet. Nicht viel Zeit für die gelernte Innenarchitektin. Mit innovativen Flyern wendet sie sich an Vereine und WhatsApp-Gruppen, um Eigentümer und mögliche Käufer zusammenzubringen.

Natalie Miller, Dorfumbaumanagerin
"Am Anfang war das natürlich ein bisschen zäh. Man muss an die Leute herankommen. Man muss schauen, was da für Rückmeldungen kommen. Aktuell ist es schon so, dass ich viele Anfragen von jungen Personen habe, die sagen: Wir suchen einen Leerstand, wir möchten das gerne sanieren, wir möchten im Ort bleiben."

Was abrissreif aussieht, kann richtig schön werden und ist oft günstiger als ein Neubau. Auch die Nähe zu Kaiserslautern lockt potenzielle Käufer. Schwierigkeiten hat die Dorfumbaumanagerin mit den Eigentümern der leerstehenden Gebäude.

Natalie Miller, Dorfumbaumanagerin
"Die zu überzeugen, ist das andere Thema. Das sind oft immer ähnliche Argumente: Die Leute möchten das ja nicht weggeben, oder hängen an dem Gebäude, oder haben auch Angst und Scham."

Scham davor, jemanden in ein Haus zu lassen, das seit Jahrzehnten unbewohnt und vernachlässigt ist. Manche Eigentümer melden sich überhaupt nicht zurück. Frustriert ist Natalie Miller trotzdem nicht.

Natalie Miller, Dorfumbaumanagerin
"Man weiß nicht, was morgen kommt, ob jemand antwortet, ob man überhaupt ein Ergebnis hat. Aber ich bin halt über die kleinen Schritte sehr dankbar, und das motiviert mich, weiterzumachen."

Die 28-Jährige hofft, dass sie für ihre Arbeit mehr Zeit bekommt als zwei Jahre. Denn, alle Eigentümer der leerstehenden Gebäude in den Dörfern der Verbandsgemeinde aufzuspüren und zu kontaktieren, ist eine langwierige Aufgabe.