Für Millionen Menschen war dieser Montagmorgen besonders stressig. Warnstreiks im Nahverkehr haben Rheinland-Pfalz und Hessen lahmgelegt. Busse, Straßen- und U-Bahnen standen still. Die Gewerkschaften fordern vor allem kürzere Arbeitszeiten. Bislang ist eine Einigung mit den Arbeitgeberverbänden in weiter Ferne.
In Frankfurt bleiben die Straßenbahnen heute früh in den Depots, die streikenden Fahrer rühren sich nicht vom Fleck. Großes Gedränge an den S-Bahnen, die nicht vom Streik betroffen sind. Immerhin fahren hier auch die städtischen Busse, doch viele Pendler müssen umplanen.
Petra Mäser
„Normalerweise fahre ich mit der U-Bahn. Die streikt, also habe ich die S-Bahn genommen. Halbe Stunde länger, also circa das Doppelte muss man an Weg einrechnen.“
Rabbani Hamurtas
„Ich habe jetzt eine Stunde und vierzig Minuten gebraucht, um meinen kleinen Jungen nach Gallus in die Schule zu fahren. Er geht auf eine spezielle Schule und jetzt muss ich halt gucken, wie ich nachhause komme. Ich frag jetzt hier, wie ich nach Bornheim komme und die Busfahrer wissen es auch nicht.“
Eine kaputte Schiene an der Konstabler Wache sorgt für weitere Probleme, gleich acht S-Bahn-Linien fahren nur eingeschränkt. Während die Gewerkschaften in anderen Bundesländern 12 Prozent mehr Lohn fordern, geht es in Hessen und Rheinland-Pfalz vor allem um die Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft ver.di fordert kürzere Wochenarbeitszeiten und längere Ruhepausen.
Jochen Koppel, Gewerkschaftssekretär ver.di Hessen
„Die Arbeitsbelastung ist so hoch, dass der Krankenstand mittlerweile auch steigt. Die Leute fahren halt am Wochenende und sind teilweise zehn Stunden unterwegs. Und wir wollen ganz einfach, dass die Leute mehr Freizeit haben und die Schichten so zugeschnitten werden, dass es besser funktioniert.“
Roland Ebert, Straßen- und U-Bahnfahrer
„Wenn man tagtäglich zwei Stunden Arbeitsweg hat, dazu achteinhalb Stunden Arbeiten, dann weiß man, was da übrig bleibt. Die Kollegen kommen nach Hause, legen sich ins Bett, stehen morgens auf und gehen wieder auf die Arbeit. Also Familienleben ist da wirklich nicht mehr möglich.“
Zudem fordert die Gewerkschaft einen schnelleren Aufstieg in den Gehaltsstufen, das kann bis zu 160 Euro mehr im Monat ausmachen. Laut ver.di wären die Arbeitgeberverbände noch keinen Schritt entgegen gekommen, die widersprechen und halten den heutigen Warnstreik für überzogen.
Marion Hebding, Verhandlungsführerin KAV Hessen
„Die Arbeitgeber haben bereits im November unser Angebot vorgelegt zur Renovierung der Entgeltordnung. Und bis heute hat ver.di darauf noch keine Antwort gegeben.“
In Mainz sind heute vor allem die Busse vom Warnstreik betroffen. Die Mainzer Verkehrsgesellschaft hat zwar einen Notbetrieb eingerichtet, doch die Reservebusse fahren nicht auf allen Strecken und ohne festen Zeitplan. Dennoch haben die Pendler teils sogar Verständnis für die Streikenden.
Rainer Westenberger
„Na ja, die Arbeitsbedingungen scheinen nicht die optimalen zu sein. Die Arbeitszeiten scheinen lang zu sein, die Pausenzeiten, Anrechnung, alles was dazu gehört.“
Christiane Peterselge
„Teilweise ja, teilweise nein. Klar, jeder möchte gerne mehr Geld. Aber nicht jeder Beruf hat die Möglichkeit, zu streiken oder so.“
Der Streik geht noch bis in die Nacht, morgen früh sollen Busse und Bahnen überall wieder normal fahren. Die kommenden beiden Tage wollen die Gewerkschaften und Arbeitgeber weiter verhandeln, weitere Warnstreiks sind bislang nicht geplant.







